Problemstellung

Hybridgewässer, wie sie an staugeregelten Flüssen entstehen, weisen sehr häufig große und ähnliche ökologische Probleme auf. Dadurch, dass sie meist weder Fließ- noch Stillgewässer sind, finden hier weder limnophile noch rheophile Arten einen geeigneten Lebensraum. Lediglich wenig spezialisierte „Allerweltsarten“ können sich hier anpassen und die Habitate nutzen.

Auf den bisher in der Regel am Ufer verbauten Betonplatten können sich außerdem nur sehr wenige Arten aus Flora und Fauna ansiedeln, wodurch eine klassische Ufervegetation völlig ausbleibt. Der Kontakt zu den umliegenden Flächen ist sowohl hydrologisch als auch ökologisch weitestgehend unterbrochen.

Wasserseitige, zum Fluss gerichtete, Dammböschungen in Stauräumen wurden in der Vergangenheit meist mit Böschungsbetonplatten gesichert. Wenn Dammerhöhungen bzw. -sanierungen notwendig werden, müssen die Platten erneuert werden. Dieser Prozess ist nicht nur aufwendig, sondern führt auch zu keinerlei Verbesserung der ökologischen Funktionen der staugeregelten Bereiche. Die Regelbauweise bei Dammerhöhungen bedingt zudem eine Verbreiterung der luftseitigen Dammaufstandsfläche und oft die Verlegung der Hinterlandentwässerung. Daraus resultiert ein erheblicher Eingriff in die dammbegleitenden Auwälder (meist FFH-Gebiete) und der Bedarf an entsprechenden Ausgleichsflächen.

Bauweise mit Öko-Bermen

Aufgrund dieser Problemstellung hat die LEW einen neuen Ansatz für eine ökologische Dammerhöhungen und Dammsanierungen entwickelt, welcher im Rahmen des von der Europäischen Kommission geförderten LIFE-Projektes INADAR umgesetzt und getestet wird. Kern des neuen Ansatzes ist der Einbau von sogenannten Öko-Bermen an wasserseitige Böschungen in Stauräumen. Ziel wird zudem sein die besonderen bautechnischen Bedingungen, die Standsicherheit als auch das Verformungsverhalten beim Aufbau der Versuchsstrecken weiter zu untersuchen.

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Eine Sanierung mit Öko-Bremen auf der Wasserseite führt auf technischer Ebene zu Herausforderungen, da der Aufbau neuer Dammschüttungen auf breiig-weichen Flusssedimenten sowohl zu standsicherheits- als auch setzungsbedingten Problemen führen kann. Dies tritt insbesondere auf, wenn gleichzeitig auf der wasserseitigen Böschungsoberfläche ein zweites Dichtungselement eingebaut werden muss.

Standsicherheitsprobleme (Geländebruch unter den wasserseitigen Schüttungen) werden meist auch von vergleichsweisen großen Setzungen begleitet, die zu starken Scherverformungen an den auf der wasserseitigen Böschung liegenden Betonplatten führen.

Abb.: Beispiel zur Standsicherheitsproblematik